Autor: D. Papas

  • Apparatus Artificialis Teil 1: Des Kaisers alte Kleider

    Apparatus Artificialis Teil 1: Des Kaisers alte Kleider

    Der Schuh, der die KI zerstört

    Schuhe trugen schon die Römer. Ob sie damals schon andere Zwecke dienten, das wissen die Götter. Jedoch wurden sie in der menschlichen Geschichte des Öfteren für andere Zwecke verwendet, wie zum Zerstören von Maschinen. Tatsächlich warfen französische Arbeiter im 18. Jahrhundert ihre Schuhe, auf französisch „Sabots“, in die Spinnmaschinen. Das Wort Sabotage erinnert noch heute daran: Mit einem Schuh lässt sich ein System zum Stillstand bringen. Die Frage ist nicht, ob Widerstand möglich ist. Die Frage ist: Mit welchem Schuh zerstört man die KI? Mit welchen Mitteln lässt sich ein System zum Stillstand bringen, das keine Maschinen mehr hat, sondern Algorithmen?


    (mehr …)
  • Dominium Teil 2: Besitzloses Eigentum

    Dominium Teil 2: Besitzloses Eigentum

    Über Aufzüge und Sitzheizungen…

    Produkte wurden erzeugt, um Funktionen auszuführen. Funktionen, die das menschliche Leben verbesserten und der Sinn des Produktes in seiner Funktion selbst lag. Jede andere mit der Zeit weiterentwickelte Veränderung im Zuge der Verbesserung und Optimierung, der keine wirkliche Funktion zuzuschreiben war, kann, wie in dem Beitrag „Designte Kunst“ herausgearbeitet, unter dem Begriff des „Designs“ eingeordnet werden.

    Dasselbe Muster zeigt sich bei der Diversifikation von Produkten. So wurden Produkte diversifiziert nach Funktion. Der Weg vom geschliffenen Stein hin zum Schweizer Taschenmesser mit 25 Funktionen war ein langer, jedoch von Funktionalität geprägt. Verschiedene Messer wurden für unterschiedliche Funktionen produziert und mit voranschreitender Technik fortwährend in ihrer Funktion spezialisiert. Es entstanden Brotmesser, Käsemesser, Fleischmesser, die jedoch auch in ihrer spezialisierten Funktion begrenzt sind. Man wird sich schwertun mit einem Brotmesser ein Schwein zu zerlegen oder mit einem Skalpell ein Brot zu streichen.

    (mehr …)
  • Dominium Teil 1: Die Erbgesellschaft

    Dominium Teil 1: Die Erbgesellschaft

    Über Mammutmäntel und Star Wars…

    Leistung ist Arbeit durch Zeit. Das ist nicht nur eine physikalische Formel, sondern auch ein Maßstab für wirtschaftliche Produktivität und die Begründung jeder Entlohnung eines Arbeiters oder Angestellten. Somit wird diese Leistung in Geld entgegengewogen und abgegolten. Folgt man dieser Logik, so stellt sich die Frage, wie groß die Leistung eines Milliardenerben im Übergangsmoment des Eigentums sein müsste, um diese Entlohnung zu rechtfertigen.

    Dinge müssen zugeordnet werden, sprich Eigentum wem es gehört, das war schon immer so. Sogar Karl Marx musste in seiner Theorie zugeben, dass sobald die Menschen sich zu Gruppen und Stämmen zusammentaten, es so etwas wie Stammeseigentum gab. Das hatte mehrere Gründe, wie die Pflege, Verantwortung und der richtige, geübte Gebrauch des Werkzeuges, das zur richtigen Zeit und am richtigen Ort einsatztüchtig sein musste. Sei es der fertige Speer zur Jagdzeit, der Rechen zur Saatzeit oder der Mammutmantel in der Winterzeit. Es war schlichtweg eine Lebensnotwendigkeit. Darüber hinaus kam allerdings kein Neandertaler auf die Idee ein Speermonopol aufzubauen und es gab auch keine ungleiche Mammutmantelverteilung.

    (mehr …)
  • Designte Kunst

    Designte Kunst

    Design hat einen Zweck. Aber nicht den, den du denkst...

    Jedes Produkt hat einen Zweck. Ein Messer schneidet. Ein Stuhl trägt. Eine Uhr zeigt die Zeit. Aus diesem Zweck ergibt sich, zwingend, fast mathematisch, eine Form. Die Klinge muss scharf sein. Der Stuhl stabil. Das Zifferblatt lesbar. Und diese Form ist nicht frei, sie wird begrenzt durch die Materialien, die zur Verfügung stehen, durch die Fähigkeiten der Werkzeuge, durch die Machbarkeit der Idee. Im Zentrum jeder Schöpfung steht zuerst die Umsetzung, nicht die Erscheinung.

    Solange Form dem Zweck folgt, gibt es kein Design. Es gibt nur Lösungen.

    Und wenn das Produkt weiterentwickelt wird? Dann verändert sich seine Form, weil der Zweck es verlangt. Weil die Idee besser umgesetzt werden kann. Jede Veränderung, die darüber hinausgeht, jede Anpassung des Aussehens, die nicht der Funktion dient, ist nach dieser Ableitung Design. Und Design hat, per Definition, einen anderen Herrn als den Zweck. Design beginnt genau dort, wo der Zweck endet.


    (mehr …)
  • Karl Marx auf der Jobsuche im modernen Bewerbungsprozess

    Karl Marx auf der Jobsuche im modernen Bewerbungsprozess

    Über Algorithmen, Entfremdung und die unsichtbare Macht im digitalen Recruiting….

    Stellen Sie sich vor, wir schreiben das Jahr 1848 und Ihr Name ist Karl Marx. Sie blättern in einem Londoner Tee-Salon durch die „Times“, auf der Suche nach einer Arbeit, die Ihrer Bildung und Ihrem politischen Geist entspricht. Plötzlich werden Sie wie aus dem Nichts in die Gegenwart katapultiert, in ein modernes Kaffeehaus mit WLAN, Laptop und auf dem Bildschirm flackert ein digitales Bewerbungs-Interface. Sie laden Ihren Lebenslauf hoch und treten ein in den Dialog mit einem Chatbot, der Ihnen freundlich, aber automatisiert antwortet.

    Wie würde Karl Marx auf diese Situation reagieren? Würde er staunen über den technologischen Fortschritt, die breite Zugänglichkeit, die Effizienz und das Versprechen von Fairness und Gleichheit? Oder würde er in der algorithmischen Vorauswahl einen neuen Ausdruck jener Entfremdung sehen, die er bereits im 19. Jahrhundert beschrieben hat? Die Antwort liegt auf der Hand. Und sie ist unbequem.


    (mehr …)