Über Mammutmäntel und Star Wars…
Leistung ist Arbeit durch Zeit. Das ist nicht nur eine physikalische Formel, sondern auch ein Maßstab für wirtschaftliche Produktivität und die Begründung jeder Entlohnung eines Arbeiters oder Angestellten. Somit wird diese Leistung in Geld entgegengewogen und abgegolten. Folgt man dieser Logik, so stellt sich die Frage, wie groß die Leistung eines Milliardenerben im Übergangsmoment des Eigentums sein müsste, um diese Entlohnung zu rechtfertigen.
Dinge müssen zugeordnet werden, sprich Eigentum wem es gehört, das war schon immer so. Sogar Karl Marx musste in seiner Theorie zugeben, dass sobald die Menschen sich zu Gruppen und Stämmen zusammentaten, es so etwas wie Stammeseigentum gab. Das hatte mehrere Gründe, wie die Pflege, Verantwortung und der richtige, geübte Gebrauch des Werkzeuges, das zur richtigen Zeit und am richtigen Ort einsatztüchtig sein musste. Sei es der fertige Speer zur Jagdzeit, der Rechen zur Saatzeit oder der Mammutmantel in der Winterzeit. Es war schlichtweg eine Lebensnotwendigkeit. Darüber hinaus kam allerdings kein Neandertaler auf die Idee ein Speermonopol aufzubauen und es gab auch keine ungleiche Mammutmantelverteilung.
Letzterer, diesem Gedankenexperiment dienender bildhafter Vergleich jedoch hätte sich, bei einem Erbrecht der Neandertaler, sehr schnell eingestellt. Denn, dass geerbtes Eigentum am stärksten und schnellsten zur ungleichen Vermögensverteilung beiträgt, wurde schon lange von Denkern wie Piketty und John Stuart Mill erkannt. Der eine belegte es empirisch mit Daten aus den letzten Jahrhunderten, der andere ergriff philosophisch das Argument und identifizierte die Erbschaftsteuer als Instrument für Chancengleichheit.
Um dies zu verstehen, muss man gar nicht so weit gehen. Es reicht ein Blick über den Ozean, in das Land mit den meisten Supermilliardären dieser Welt. Das Land des American Dreams und des Versprechens, mit Leistung vom Tellerwäscher zum Millionär werden zu können, ist das Land mit der größten Vermögenskonzentration unter den westlichen Demokratien. Selbst in einem System das theoretisch Leistung belohnt, sammelt sich Vermögen extrem. Und die nächste Generation erbt es. Die Rockefellers, Waltons, Kochs, das sind Dynastien. Milliarden die sich reproduzieren ohne neue Leistung.
Denkt man an die Gegenwart, so sind die Musks die neuen Rockefellers, die Bezos die neuen Waltons und die Thiels die neuen Kochs. Was vererbte Macht anrichten kann, sieht man in dem Land, in dem gefühlt die Hälfte der Präsidenten miteinander verwandt oder verschwägert sind. In dem Söhne antreten, wo Väter aufgehört haben. In dem Vermögen und politische Macht so eng verwoben sind, dass die Frage wer regiert und wessen Interessen regiert werden, keine zwei verschiedenen Fragen mehr sind.
Vermögen ist nicht nur wirtschaftliche Macht. Es ist politische Macht. Wer genug davon hat, kauft Medien, finanziert Wahlkämpfe und formt die Regeln des Spiels. Demokratie setzt aber voraus dass alle die gleiche Stimme haben. Nicht das gleiche Vermögen, aber die gleiche Stimme. Sobald Vermögen Stimmen kauft, ist das Versprechen der Demokratie gebrochen.
Die voranschreitende Krise der Demokratien ist stark mit der ungleichen Verteilung von Vermögen verknüpft. Selbst sogenannte Self-made-Milliardäre oder entstehende Phänomene wie Elon Musk könnten dadurch natürlich nicht verhindert werden, hätten aber nicht die Lebensdauer, Eigendynamiken und den Impact von Dynastien.
Das Erbrecht ist kein Randthema der Wirtschaftspolitik. Es ist der Mechanismus, der aus einer Leistungsgesellschaft eine Erbgesellschaft macht. Still, legal und von Generation zu Generation. Würde Eigentum nicht in dem Maße weitervererbt werden, dann wäre mit Elon, Jeff und Peter Schluss. Kein nachfolgender Musk Sprössling, dessen Namen sich anhört, als käme er aus einem Star Wars Film. Und statt eines „Baron“, gäbe es auch keine nächste Präsidenten-Dynastie mehr, sondern echte Demokratie, eine agora isonomia.
Doch selbst, wer das akzeptiert, wer sagt: gut, das Vermögen oben sammelt sich, aber ich habe mein Eigentum, mein Auto, mein Gerät, mein Zuhause, dem sei eine Frage gestellt. Gehört dir, was du gekauft hast, wirklich noch? Mehr dazu in Teil 2.
Agora Isonomia – Blog für radikale Fairness.


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